Primas (Ungar.: primás; Servika-R.: primašis)

Der Primas ist jener Musiker, der die prim, d.h. die erste Geige in einer volkstümlichen Streicherkapelle oder einem anderen "Zigeunermusik"-Ensemble spielt. Er war der wichtigste Musiker, dessen Autorität sich nicht nur auf sein musikalisches Können, sondern auch auf die Stärke seiner Persönlichkeit gründete. Oft trug die Kapelle seinen Namen und in bestimmter Weise wurde sie auch als "seine" aufgefasst. (Mitunter konnte auch der Spieler eines anderen Instruments, insbesondere jener des Zymbal, der Leiter der Ensembles sein.) Bei den slowakischen und ungarischen Roma standen Musiker ganz oben auf der gesellschaftlichen Leiter – und der Primas wiederum an der Spitze dieser Hierarchie. (Mitglieder von städtischen Kaffeehaus-Kapellen genossen das höchste Ansehen von allen.) Die Bedeutung des Primas wird durch die Tatsache deutlich, dass sein Spiel die jeweilige spezifische Tradition eines Ensembles nicht nur widerspiegelte, sondern auch formte: sein Repertoire und vor allem seine Ornamentik und Agogik.

Der Primas stammte zumeist aus einer Musikerfamilie. Bereits als Kind begann er, erste Erfahrungen zu sammeln, indem er in der Kapelle seiner Familie mitspielte. Seine eigene Gruppe gründete er erst, wenn seine eigenen Interpretationen ausgereift waren. Der Primas galt als Vertreter des gesamten Ensembles. Er war auch dafür zuständig, die Gagen auszuhandeln, und mit ihm wurde die Bezahlung abgewickelt, wobei sein Anteil größer war als jener der anderen Musiker. Üblicherweise heiratete ein Primas die Tochter eines Musikers, was die musikalische Ausrichtung der Familie noch unterstrich.

Zu den bedeutenden Primas der Südslowakei vom Ende des 18. Jh. bis zum Beginn des 20. Jh. gehörten Mitglieder der Familien Rácz, Bihári, Berki und Rinaldi. In Mähren wurde Jožka Kubík berühmt. Die Familie Giňa übersiedelte aus der Ostslowakei nach Böhmen (Rokycany). Aus diesem Klan stammt zum Beispiel der Primas Karol Giňa, jüngere Mitglieder dieser Familie widmen sich dem Rompop.

Literatur

Drenko, Jozef (1997) Z histórie hudobníkov Ráczovcov z Lučenca. In: Romano džaniben 3-4, pp. 53-57.
Giňa, Andrej (1991) Bijav/Svatba. Praha.
Holý, Dušan (1984) Mudrosloví primáše Jožky Kubíka. Praha.
Holý, Dušan / Nečas, Ctibor (1993) Žalující píseň. Strážnice.
Hübschmannová, Milena (1991) Goďaver lava phure Romendar. Praha.
Jurková, Zuzana (1997) O čem vypovídají romská přísloví. In: Romano džaniben 3-4, pp. 45-47.
Sárosi, Bálint (1977) Zigeunermusik. Zürich / Freiburg i. Br.
Slepčík, Jan (1997) Muzikant přináší mezi lidi úctu a pohodu. In: Romano džaniben 3-4, pp. 48-52.
Taragoš – Lojza, Ladislav (1997) Hudba je můj život. In: Romano džaniben 3-4, pp. 66-69.
Vlačuha, Kalmán (1997) jak jsem se učil hrát na cimbál. In: Romano džaniben 3-4, pp. 41-44.

Tonträger

Holý, Dušan (ed.) (1998) Dalekonosné Husle. Muzika Jožky Kubíka a zpěváci z Horňácka, Brno (Gnosis CD G-Music 014).
Holý, Dušan (ed.) (2000) Majstr Jožka Kubík (CD). Brno (Aton).
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Begräbnis eines "Primas". Auch seine Geige wird zu Grab getragen (Slowakei).